Der Ortsausschuss Höxter-Kernstadt hat den CDU-Antrag zur Namensgebung der in einigen Monaten neu zu bauenden Straße im neuen Baugebiet „Im Flor“ mit der Bezeichnung „Anja-Niedringhaus-Straße“ bereits am 11.04.2024 mehrheitlich zugestimmt. „Jetzt ist es endlich bald so weit, dass die Erschließungsmaßnahme geplant wird und die langersehnte Realisierung des Straßennamens greifbar wird,“ erläutert CDU-Ratsmitglied Fabian Thomas.
Das Baugebiet liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zum König-Wilhelm-Gymnasium, an dem Anja Niedringhaus im Jahr 1986 Abitur gemacht hat. „Wir freuen uns, dass mit dieser Entscheidung die Weichen zur angemessenen Würdigung der höxteraner Pulitzerpreis-Trägerin gestellt wurden. Anja Niedringhaus und ihre wichtige sowie gleichermaßen gefährliche Arbeit werden damit noch tiefer in unserer Erinnerung verankert,“ so Edison Buch als Vorsitzender der CDU-Stadtratsfraktion. „Gleichzeitig wollen wir mit der vierten Straße im Stadtgebiet Höxter, welche nach einer Frau benannt wird, ein deutliches Zeichen für zeitgemäße Geschlechtergerechtigkeit setzen,“ ergänzt seine Stellvertreterin Dr. Vanessa Hammerschmidt.

Das Foto zeigt die Mutter von Anja Niedringhaus, den Vorstand des Anja-Niedringhaus-Forums und Mitglieder des CDU-Stadtverbandes Höxter bei der symbolischen Übergabe des Straßennamens.

Das Foto zeigt Anja Niedringhaus und mit Ihrer Kollegin Kathy Gannon, die bei dem Attentat schwer verwundet worden war.
Begründung der Würdigung als Namensgeberin
Am 04. April 2024 jährt sich das tödliche Attentat auf die in Höxter geborene Fotojournalistin Anja Niedringhaus zum 10. Mal.
Leben und Wirken
„Anja Niedringhaus wuchs nach Ihrer Geburt am 12. Oktober 1965 in Höxter auf. Mit 17 Jahren begann sie, für die Lokalredaktion der Neuen Westfälischen Zeitung in ihrer Heimatstadt Höxter zu arbeiten. Nach dem Abitur 1986 am König-Wilhelm-Gymnasium Höxter ging sie für die Kindernothilfe nach Indien. Sie studierte ab 1986 an der Universität Göttingen Germanistik, Philosophie und Journalismus und schrieb und fotografierte für das Göttinger Tageblatt.
Ihre professionelle Fotokarriere begann mit dem Fall der Mauer in Berlin. Ihre erste Anstellung bei der European Pressphoto Agency (EPA) führte sie u.a. 1992 in den gerade begonnenen Krieg in Jugoslawien. Bei ihrem ersten Einsatz in Sarajewo wurde sie von Heckenschützen unter Feuer genommen und getroffen; sie überlebte dank einer kugelsicheren Weste. 1997 erlitt sie bei einem Unfall mit einem Polizeifahrzeug in Belgrad mehrere Fußfrakturen. Im Kosovo 1998 wurde ihr Wagen von einer Granate getroffen und sie von Granatsplittern verletzt. 1999 wurde sie mit einer Gruppe von Journalisten bei einem Grenzübergang zwischen Albanien und dem Kosovo irrtümlich von NATO-Flugzeugen bombardiert.
Im Jahr 2001 fotografierte Niedringhaus die Folgen der Terroranschläge am 11. September in New York. Kurz darauf arbeitete sie erstmals in Afghanistan, wo sie in Masar-e Scharif und Kabul drei Monate lang über den Sturz der radikalislamischen Taliban berichtete. Ab 2002 arbeitete sie für die US-amerikanische Nachrichtenagentur Associated Press (AP), auch als Fotojournalistin und Kriegsberichterstatterin.
Anja Niedringhaus erhielt für Fotoberichterstattung aus dem Irak – als erste deutsche Frau – zusammen mit neun AP-Kollegen den Pulitzerpreis 2005. Im selben Jahr wurde ihr auch ein Preis für Mut, der „Courage in Journalism Award“ der International Women’s Media Foundation (IWMF), verliehen. 2008 bekam sie die „Goldene Feder“ für herausragende Reportagen als Frau in Krisengebieten.
2007 verbrachte sie ein akademisches Jahr mit einem Nieman-Fellowship-Stipendium an der Harvard University, unterstützt durch Warren Buffett.
Anja Niedringhaus’ Arbeiten wurden vielfach ausgestellt.
Ihr Motto als Kriegsberichterstatterin war: „Wenn ich es nicht fotografiere, wird es nicht bekannt.“ In einer Sonderausstellung zum fünften Todestag der Pulitzer-Preisträgerin waren im Käthe-Kollwitz-Museum Köln von Ende März bis 30. Juni 2019 mehr als 80 großformatige Aufnahmen zu sehen. Es war die erste posthume Retrospektive ihrer Art.
Attentat
Niedringhaus und ihre Associated-Press-Kollegin, die kanadische Journalistin Kathy Gannon, waren in einem Wahlkonvoi aus afghanischen Sicherheitskräften und Wahlhelfern, die Stimmzettel auslieferten, in der Provinz Chost unterwegs, um über die Präsidentschaftswahl in Afghanistan 2014 zu berichten. An einem Stützpunkt der Sicherheitskräfte warteten sie am 4. April auf der Rückbank ihres Fahrzeugs auf die Weiterfahrt, als ein Polizist mit den Worten „Allahu Akbar“ eine Salve aus seiner AK-47 auf sie abgab. Niedringhaus war sofort tot, Gannon wurde durch drei Kugeln verletzt.
Niedringhaus wurde am 12. April 2014 in ihrer Geburtsstadt Höxter auf dem Friedhof am Wall beigesetzt.“

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